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Kompetenzentwicklung Vorbehaltsaufgaben § 4 PflBG

Autorin: Barbara Nieskens


Kompetenzentwicklung durch digitale OER-Lehr-Lernmaterialien für die Vorbehaltsaufgaben der Pflege

Die professionelle Pflege umfasst drei zentrale Kernkompetenzen, auch als Vorbehaltsaufgaben bekannt:

  1. die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs,
  2. die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses
  3. die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege

Durch § 4 Abs. 2, Pflegeberufegesetz (PflBG), wurde die Pflegeprozessverantwortung den Pflegefachpersonen exklusiv übertragen.

 

Im Projekt „Kompetenzentwicklung durch digitale OER-Lehr-Lernmaterialien für die Vorbehaltsaufgaben der Pflege“ (KomVor Pflege) werden digitale Lehrmaterialien entwickelt, um diesen anspruchsvollen Aufgaben zu begegnen. OER, Open Education Resources bekannt als offene Bildungsmaterialien, sind Lehr- und Lernressourcen, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Diese Materialien stehen kostenlos zur Verfügung und können von Nutzenden kostenlos verwendet, bearbeitet und weiterverbreitet werden.

 

Der Fokus des Projekts liegt auf der Vertiefung in Pflegewissenschaft und -forschung. Im Rahmen des Projekts werden Fallbeispiele zu Pflegephänomenen wie Schmerz, Immobilität und Gesundheitskompetenz entwickelt. Die Studierenden arbeiten mit diesen Beispielen, um praxisnahes Wissen zu erlangen. Authentizität der Fälle ist entscheidend, und sowohl fiktive als auch reale Fälle werden genutzt und angepasst, um didaktische Ziele zu erreichen.

 

Das Material variiert und umfasst Texte, Videos und audiogestützte Inhalte, ergänzt durch selbstgesteuerte H5P-Elemente. Es wurden neun digitale Lehr-Lerneinheiten für die Plattformen ILIAS und Moodle entwickelt, die für alle Pflegestudierenden und Lehrenden nutzbar sind. Die neun Einheiten sind wissenschaftsbasiert und vermitteln den Nutzerinnen und Nutzern auf drei Kompetenzniveaus (Niveau A, B, C) die „Vorbehaltsaufgaben in der Pflege“. Durch die Definition von drei Kompetenzniveaus bietet die Plattform darüber hinaus einen Orientierungsrahmen zur Planung und Konzeption von Lehr-/ Lern- und Prüfungsmethoden auf verschiedenen Anforderungsniveaus. Hierzu wurden sechs Niveauindikatoren (Pflegephänomene bzw. Pflegediagnosen, Vorhersehbarkeit & Planbarkeit, Involviertheit mehrerer Ak-teur*innen / Perspektiven, Evidenzbasierung, Ethik, Umfang des Wissens) entwickelt, welche die Komplexität der Pflegesituation, die die Studierenden bewältigen müssen, abbilden. Das bedeutet, die Ausprägungen der Niveauindikatoren steigen schrittweise von Niveau A zu Niveau C und damit auch die Anforderungen an die Studierenden. Die Studierenden werden somit schrittweise an die Bewältigung komplexer Pflegesituationen herangeführt. 

 

Die Niveauindikatoren haben Anregung für die Fallentwicklung auf einem spezifischen Kompetenzniveau gegeben. So können die Niveauindikatoren die zielgerichtete Entwicklung von fiktiven Fällen auf einem intendierten Kompetenzniveau unterstützen, indem die beschriebenen Situationen korrespondierend zu den Komplexitätsmerkmalen gestaltet werden. Gleichzeitig sollten auch die fallbezogenen Prüfungsaufgaben auf die Kompetenzniveaus ausgerichtet sein, sodass ausgewählte niveaubestimmende Merkmale der Situation für die Lösung der Prüfungsaufgabe relevant sind und damit den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe mitbestimmen. 

 

Jede Einheit ist wie folgt gegliedert:

  1. Einführung und Lernzielbeschreibung, inklusive einer grafischen Übersicht zur Struktur der Lerneinheit
  2. Falldarstellung inklusive eines Ausblicks auf die anstehenden Fragestellungen
  3. interaktives Lehr-Lernmaterial, teilweise mit Übungen, um den eigenen Lernerfolg zu überprüfen. 
  4. Prüfungsmaterial

 

Niveau A- 3 Einheiten

  1. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Gesundheitskompetenz und der Vorbehaltsaufgabe Planen.
  2. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Schmerz und der Vorbehaltsaufgabe Steuern.
  3. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Immobilität und der Vorbehaltsaufgabe evaluieren.

 

Niveau B- 3 Einheiten

  1. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Schmerz und der Vorbehaltsaufgabe Planen
  2. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Immobilität und der Vorbehaltsaufgabe Steuern
  3. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Gesundheitskompetenz und der Vorbehaltsaufgabe Evaluieren

 

Niveau C- 3 Einheiten

  1. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Immobilität und der Vorbehaltsaufgabe Planen
  2. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Gesundheitskompetenz und der Vorbehaltsaufgabe Steuern
  3. Erweiterung der Pflegekompetenz auf Grundlage des Phänomens Schmerz und der Vorbehaltsaufgabe Evaluation

Fazit

Das beschriebene Projekt liefert eine innovative und praxisnahe Lösung für die Ausbildung von Pflegefachpersonen. Die zentralen Vorbehaltsaufgaben der professionellen Pflege stehen im Fokus und es ist das Ziel des Projekts, zukünftige Pflegefachpersonen praxisnah und fundiert auszubilden und so die Qualität der Pflegeausbildung signifikant zu erhöhen.

 

Schlüsselmerkmale des Projekts:

  • Digitale Lernmaterialien: Die Materialien sind kostenfrei, flexibel und können sowohl in Präsenzveranstaltungen als auch im Selbststudium genutzt werden.
  • Drei Kompetenzniveaus: Durch die klare Strukturierung in Niveau A, B und C bietet das Projekt den Studierenden eine abgestufte Heranführung an komplexe Pflegesituationen, was die individuelle Lernentwicklung unterstützt.
  • Interaktive Fallbeispiele: Echte und fiktiv gestaltete Fallstudien zu Themen Schmerz, Immobilität und Gesundheitskompetenz ermöglichen den Studierenden, praxisrelevantes Wissen zu erlangen und kritisch zu reflektieren.
  • Didaktische Aufbereitung: Jede Lerneinheit kombiniert Einführung, Falldarstellung und Prüfungsmaterialien, wodurch ein umfassendes Lernumfeld geschaffen wird, welches aktiv zur Kompetenzentwicklung beiträgt.

Zusammenfassend vermittelt das Projekt das theoretische Wissen und stärkt die praktischen Fähigkeiten der Studierenden. Diese Initiative ist in Zeiten des Fachkräftemangels von großer Bedeutung, sie bietet die Chance, die Attraktivität und Aktualität des Pflegestudiums zu erhöhen und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Pflegeausbildung zu leisten. 

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